Die Bierothek strauchelt

Die Bierothek strauchelt

Wer Bier liebt und das mit Leidenschaft kaufen wollte, kannte die Bierothek. Craft-Beer-Spezialitäten aus Franken, Deutschland und der Welt, eine eigene Biermarke – das Bamberger Unternehmen von Gründer Christian Klemenz hatte sich als wohl größter Craft-Beer-Händler Deutschlands positioniert. Jetzt hat die Bierothek-Gruppe Insolvenz angemeldet.

Das Amtsgericht Bamberg hat am 13. April 2026 für zwei Gesellschaften der Gruppe die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet: für die Bierothek GmbH und die Bierothek Marketplace GmbH. Als vorläufige Insolvenzverwalter wurden Peter Roeger und Holger-Christian Buehler von der Pluta Rechtsanwalts-Gesellschaft bestellt. Wie GetränkeZeitung berichtet, kündigt das Unternehmen an, die Gruppe zu restrukturieren und den Weg zur Digitalisierung weiterzugehen.

Vom Filialnetz zum Digitalunternehmen

Klemenz, ausgebildeter BWLer und Biersommelier, hatte 2011 mit seiner Eigenmarke St. Erhard und dem ersten Bierothek-Laden in Bamberg begonnen. Die Idee: eine Handelsinfrastruktur für unabhängige, kreative Brauereien schaffen, die es damals schlicht nicht gab. Auf dem Höhepunkt betrieb die Gruppe 17 Filialen im Franchise-Modell – heute sind es noch vier. Der stationäre Bierhandel hat seit Corona flächendeckend gelitten, die Zahl der Bierfachgeschäfte ist seitdem kontinuierlich zurückgegangen.

Im September 2023 stieg die Haus Cramer Gruppe – zu der auch die Warsteiner Brauerei gehört – mit einer strategischen Beteiligung ein, um den europaweiten Direktvertrieb und den Aufbau eines digitalen Marktplatzes voranzutreiben. Bis Ende 2024 hatte sich Warsteiner jedoch wieder zurückgezogen. Im Juli 2025 trennte sich die Bierothek von ihrem Geschäftsbereich Handelskonzepte – Biergeschenkartikel und Merchandising. Fortan sollte der Fokus ganz auf dem digitalen Geschäft liegen: einem Marktplatz für Brauereien, einer Onlineshop-Lösung für den Direktvertrieb sowie Fiskalvertretungen in neun europäischen Ländern. Die dabei gewachsenen Strukturen müssen nun im Rahmen des Insolvenzverfahrens verschlankt werden.

Schwieriges Umfeld

Die Bierothek ist in jenen Abwärtsstrudel geraten, den die Brauwirtschaft schon seit Monaten beklagt. Wir wissen es alle: sechs Prozent weniger Absatz in 2025 – ein historischer Tiefstand. Brauereien schließen, Traditionsunternehmen melden Insolvenz. Und wer genauer hinschaut, sieht: Der Konsument greift heute seltener zur Bierspezialität – und wenn doch, dann zunehmend zum schlichten Hellen oder gleich zum Alkoholfreien, am besten zum günstigen Preis. Was die Brauer schmerzt, trifft den Spezialitätenhändler doppelt. Das Plattformmodell der Bierothek war kapitalintensiv, der Markt für besondere Biere ist enger geworden – und die Zahlungsbereitschaft für Vielfalt sinkt.

Wie geht es weiter?

Der Geschäftsbetrieb läuft vorerst weiter. „Der Geschäftsbetrieb läuft aktuell weiter. Alle Bestellungen über den Onlineshop werden wie gewohnt bearbeitet, der Handel über den Marketplace ist ebenfalls weiterhin möglich“, erklärt Insolvenzverwalter Peter Roeger gegenüber GetränkeZeitung

Christian Klemenz hatte einmal gesagt, er wolle die Bierothek als ein Tor zu einer neuen Bierwelt verstehen – für alle, die Lust auf mehr haben als die „heimische Halbe“. Dieses Tor schließt sich nun zumindest vorübergehend. Was kommt, liegt derzeit in den Händen zweier Bayreuther Rechtsanwälte.

 

 

Quelle: Meininger Getränke Zeitung „Schieflage – Bierothek-Gruppe meldet Insolvenz“ (13.04.2026) & "Bierothek wandelt sich zum Digital-Unternehmen" (14.04.2026)
Foto: Bierothek @ Facebook, Screenshot vom 14.04.2026

Comments

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berch • 1 Hour ago
Ich kenne und schätze die Filialen in Nürnberg und Bamberg, aber von meinen paar Flaschen alle paar Monate, wenn ich mal dort bin, kann natürlich kein Laden leben.
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ront176 • 7 Hours ago
Das habe ich schon fast befürchtet, da das online Angebot zuletzt immer dünner wurde.
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Sir Oliver • 10 Hours ago
Oje. Da war ich in Bamberg vor 1 Monat erst einkaufen. Toller Laden. Wirklich schade!!!
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