Hachenburger: Viel Gutes aus dem Westerwald.

Hachenburger: Viel Gutes aus dem Westerwald.

Hier kommen positive Nachrichten aus dem Biergeschäft. In einer Zeit, in der derlei alles andere als selbstverständlich ist, tut es gut, von einer Brauerei zu berichten, die »läuft«. Ganz gegen den Trend.

Die Westerwald-Brauerei

Hachenburg ist eine Stadt mit 6.400 Einwohnern in Rheinland-Pfalz. Dort wurde 1861 eine Brauerei gegründet und 1909 nach der Region, dem Westerwald, benannt. Okay, wenn wir in die Geschichte dieses Betriebes schauen, sehen wir auch schwere Zeiten: In den 1990ern ging der Absatz zurück, die Belegschaft schrumpfte, Verlustjahre folgten. Doch Heiner Schneider, dem damaligen Geschäftsführer, ist der Turnaround zu verdanken, auch wenn es bis 2014 dauerte, bis wieder schwarze Zahlen geschrieben wurden.

Kalter Kaffee

2022 leistete sich Jens Geimer, Geschäftsführer seit 2009 und inzwischen alleiniger Besitzer der Brauerei, einen Aprilscherz. Auf Social Media wurde ein Produkt angepriesen, das es gar nicht gab und auch nicht geben sollte: »Kalter Kaffee«, dunkel und süßlich. Der Vertriebsleiter Benny Walkenbach erinnert sich: »Mein Telefon stand nicht mehr still.« Die Nachfrage war so massiv, dass Geimer entschied: Wir machen das jetzt. Vier Wochen später gab es den »Kalten Kaffee« in echt. Der Witz wurde zum Wendepunkt, der Kalte Kaffee zur Marke; Limonaden kamen hinzu und 2026 ein eigenes Cola samt Cola Zero.

Wachstum gegen den Trend

2024, während der deutsche Gesamt-Bier-Markt um 2,1 Prozent fiel, schrieb Hachenburger 5,5 Prozent Absatzwachstum und über 10 Prozent Umsatzwachstum. Das ging 2025 gut weiter: 4 Prozent Wachstum trotz eines um 6,4 Prozent geschrumpften Marktes. Und im ersten Halbjahr 2026 stieg der Flaschenausstoß um 16 Prozent.

Woran das liegt? Natürlich an der Qualität der Produkte, aber auch an einer Haltung: Nachhaltigkeit aus Überzeugung, nicht als kommunikatives Feigenblatt. Die Brauerei ist seit Oktober 2021 klimaneutral, 2023 wurden die Dächer mit Photovoltaik ausgestattet. 2024 folgte ein spektakuläres CO2-Rückgewinnungssystem. Es fängt rund 500 Tonnen CO2 aus dem Gärprozess ab und speichert es – in einem bunt bemalten Zeppelin unter dem Dach. Kohlensäure für das neue Cola. Die Brauerei wurde dafür mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.

 

Fokus auf Regionalität 

Eine mittelständische Brauerei schreibt ihre Erfolgsgeschichte. Sie steht in keiner Großstadt, sondern in der Provinz. Und es bestehen keine Pläne, über die Region hinauszugehen, Geschäftsführer Geimer sagt: »Hachenburger wird keine Deutschlandbrauerei«. Das Absatzgebiet ist und bleibt die Region; der Westerwald, Mainz, Taunus, Osteifel. Da leben ohnehin rund 3,9 Millionen Menschen.

Heute arbeiten 120 Angestellte, davon 13 Auszubildende, bei Hachenburger. Die Brauerei und ihre Veranstaltungsräume werden gut besucht; pro Jahr kommen 30.000 Besucher*innen vorbei. Das liegt auch ein klein wenig an der Standesamt-Dependance für Trauungen.

Hachenburger erzählt eine Erfolgsgeschichte, die nicht auf »Geheimnissen« beruht, sondern auf Haltung, klarer Strategie, Nähe, Offenheit und auf dem Mut auch einmal aus einem Witz ein Erfolgsprodukt zu machen.

 

 

Text: Birgit Riebert
Fotos: Screenshots vom 22.08.2026: Westerwald-Brauerei
Quellen: Westerwald-Brauerei; FAZ, 18.08.2026; Getränke News, 14.01.2026

Comments

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Hopless Situation • 35 Minutes ago
Gutes Pils und leckeres Weizen 🍻
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