Polen plant Nachtverkaufsverbot

Polen plant Nachtverkaufsverbot

Kurz nach zehn am Abend, irgendwo in einer polnischen Kleinstadt. Die Freunde sitzen zusammen, die Stimmung ist gut, nur das Bier wird knapp. Kein Problem, der Supermarkt hat noch offen, die Tankstelle sowieso. Das soll sich ab Januar 2027 ändern.

Schluss ab 22 Uhr

Zwischen 22 und 6 Uhr soll der Verkauf von Alkohol zur Mitnahme landesweit verboten werden. Gemeinden sollen die Sperre ausdehnen dürfen: am Abend ab 21 Uhr und am Morgen bis 9 Uhr. Entscheidend ist der Zusatz „zur Mitnahme“: Gastronomiebetriebe dürfen weiterhin ausschenken.

Der Sejm, das polnische Unterhaus, hat das Paket am Abend des 8. Oktober beschlossen: 400 Abgeordnete stimmten dafür, 29 dagegen, vier enthielten sich. Die meisten Bestimmungen sollen schon am 1. Januar 2027 gelten. Geändert wird das „Gesetz über die Erziehung zur Nüchternheit und zur Bekämpfung des Alkoholismus“ aus dem Jahr 1982. 

Noch ist die Änderung nicht in Kraft. Der Senat hat 30 Tage Zeit, sie zu prüfen. Danach entscheidet Präsident Karol Nawrocki, ob er unterzeichnet, sein Veto einlegt oder das Verfassungsgericht anruft.

Vielerorten gute Erfahrungen

Neu ist die Idee nicht. Über 200 Gemeinden haben bereits eigene Nachtverbote, darunter Warschau und Krakau. Krakau zählte nach eigenen Angaben im ersten vollen Jahr 48,5 Prozent weniger alkoholbezogene Polizeieinsätze, im zweiten sank die Zahl um 61,8 Prozent. Und die Bevölkerung unterstützt das Nachtverkaufsverbot überwiegend. In einer IBRiS-Umfrage vom Juni sprachen sich 55 Prozent dafür aus, in einer IBP-Umfrage vom Oktober 67 Prozent.

Falls Nawrocki unterschreibt, muss die Runde in der Kleinstadt ab Januar 2027 besser planen. Oder gleich ins Lokal gehen. Für die eine oder andere Kneipe, den Brewpub oder das Restaurant könnte die Novelle ja sogar eine Hilfe sein. Na zdrowie!

 


Text: Birgit Rieber
Visual: wegro communications
Quellen: Notes from Poland, RMF24, inside.beer

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