
Mit dem Monatspaket für August reisen wir in ein besonderes Kapitel der Biergeschichte. Es handelt vom Schwarzbier, dem sehr dunklen Gegenstück zum hellen Lager.
Das heutzutage marktbeherrschende goldfarbene Gebräu verdanken wir der industriellen Revolution. Erst mit den technischen Errungenschaften des 19. Jahrhunderts wurde es möglich, zuverlässig helles Malz herzustellen. Davor waren alle Biere dunkel, manchmal schwarz. Schwarzbier erinnert uns an jene Zeit.
Als das Pilsner ab dem späten 19. Jahrhundert seinen Siegeszug antrat, geriet Schwarzbier ins Abseits. Im Westen verschwand es beinahe ganz. Im Osten hielt es sich, aus regionaler Verwurzelung und, zu DDR-Zeiten, als willkommener Devisenbringer. Nach 1990 folgte die Wiederentdeckung.
Eine der Brauereien, die das Schwarze nie aufgaben, steht in Eibau in der Oberlausitz, im sächsischen Dreiländereck, wo Deutschland, Polen und Tschechien aneinanderstoßen. Dort wird seit 1810 Schwarzbier gebraut. Das Eibauer Schwarzbier ist eines der ältesten durchgehend gebrauten Deutschlands.
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Die Brauerei hat eine bewegte Biografie. 1810 wurde sie als 1. Landbrauerei im Zittauer Raum gegründet, ab 1867 lenkte die Familie Krampf den Betrieb. 1937 kaufte dann der Braumeister Hans Münch die Sudkessel – bis die Politik alles änderte. 1972 wurde der Betrieb in der DDR enteignet, der Landskronbrauerei Görlitz einverleibt und erst 1990 an die Familie Münch zurückgegeben. Wer heute ein Eibauer trinkt, hat also ein Stück deutsch-deutsche Geschichte im Glas.
Hundert Pferde für ein Bier
Im 17. Jahrhundert wurde in einem Forsthaus im Wald bei Eibau Bier gezapft. Die Obrigkeit in Zittau und Löbau verbot den Ausschank und stellte diesen, sehr zum Ärger der Eibauer Bürger, sogar unter Strafe. Am 25. März 1693 protestierten sie und zogen geschlossen zum Forsthaus, um dort zu die Krüge zu heben. Dieser „Auszug" dient seit 1993 als Grund für ein ausgelassenes Volksfest. Jedes Jahr rollt am letzten Juniwochenende der Eibauer Bierzug durchs Dorf, mit über hundert Pferden in Zwei-, Drei-, Vier- und Sechsspännern. Auch der Eibauer Festwagen ist bunt geschmückt und mit Holzfässern beladen. Blasmusik spielt zünftig auf. Zum Hufgeklapper auf Kopfsteinpflaster spielt die Blasmusik zünftig auf. Es riecht nach Sommer, nach Freude und Festbier.
Das Bier aus dem Kloster
Ein zweites Stück Geschichte kommt aus der Nachbarschaft. An der Neiße liegt das Kloster St. Marienthal. Die Zisterzienserinnenabtei ist eines der ältesten Frauenklöster Deutschlands. Die Nonnen brauten viele Jahrhunderte lang selbst. Erst 1920 wurde die Klosterbrauerei aufgegeben. 1998 hat die Brauerei Eibau die Marke wiederbelebt. Sie braut das St. Marienthaler Klosterbräu nach altem Rezept unter Lizenz der Abtei. So hält das weltliche Haus die Klostertradition am Leben.
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Die Biere aus der Eibauer Brauerei
Das Sortiment der Brauerei ist klassisch. Zwei Biere verdienen unsere besondere Aufmerksamkeit. Das ist erst einmal das Eibauer Schwarzbier, eben jene Spezialität, die seit 1810 in dieser Art gebraut wird.
Dann blicken wir auf das German Beer. Es erzählt aus der ehemaligen DDR. Ende der 1960er Jahre als vollmundiges „Exquisitbier" erdacht, avancierte es zum begehrten „Zahlungsmittel" und war das Bier für die Gäste der Leipziger Messe.
Zudem im Paket:
Zwölf Biere aus Sachsen!
Mit der Privatbrauerei Eibau zeigt sich wieder, wozu das Monatspaket taugt. Wer das ganze Sortiment sonst verkosten wollte, müsste nach Sachsen reisen und dort ein paar Tage Urlaub in der Oberlausitz machen – was an sich eine schöne Idee ist. So kommt die Oberlausitz zu uns, frei Haus. Gut so und sehr zum Wohle.
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Fotos: Privatbrauerei Eibau
Text: Birgit Rieber