Dosenpfand bremst Bierimporte

Dosenpfand bremst Bierimporte

Das österreichische Einwegpfand ist seit einem Jahr da – und mit ihm eine neue Realität für Händler und Fans internationaler Dosenbiere. Was als Umweltmaßnahme gedacht ist, trifft ausgerechnet jene Nische, die von Vielfalt und schnellen Releases lebt. Was bedeutet das konkret? Und warum stehen plötzlich weniger belgische, baltische, italienische oder spanische Dosen im Bierregal?

Die Importbremse

Das Pfand ist ein Problem. Importeure müssen jedes neue Produkt registrieren und die Etiketten-Layouts mit Pfandlogo und Strichcode durch die zentrale Pfand-Stelle prüfen lassen. „Jedes Produkt“, das klingt erst einmal harmlos. In der Praxis heißt das: Kleinstchargen, Kollab‑Sondersude, Limiteds im Vier-Wochen-Takt – jedes neue Bier benötigt eine eigene Anmeldung. Bürokratisch aufwendig und vor allem teuer.

Pfand & Etikett – kurz erklärt

  • Seit 1. Jänner 2025 gilt in Österreich ein Pfand auf Dosen. Verkauft werden darf nur, was vorher registriert wurde – pro Produktvariante.
  • Auf die Dose gehört das österreichische Pfandlogo plus ein vertikaler Strichcode. Größe und Position sind genau vorgegeben, damit die Rücknahmeautomaten alles lesen können.
  • Registrierung und Prüfung des Etiketten‑Layouts kostet Zeit; in der Praxis sprechen Händler von drei bis vier Wochen.
  • Übergangsfristen laufen aus: Ohne Registrierung kein Pfand, ohne Pfand kein Verkauf.

„Nur noch eine Handvoll“

Markus Betz (Beerlovers, Wien) berichtet, dass der Import von Dosenbieren aus dem Ausland „so gut wie nicht mehr möglich“ sei. Im Sortiment hält er aktuell nur noch eine Handvoll belgischer Biere – etablierte Linien, die sich dauerhaft führen lassen. Seine Begründung: Die Registrierungspflicht pro Artikel mache spontane, häufig wechselnde Dosenimporte unrentabel. Jede Registrierung koste Geld (Betz nennt 180 Euro pro Produkt), ungeachtet der importierten Menge. 

Bierfracht: Vielfalt unter Druck

Clemens Kainradl (Bierfracht, Eisenstadt) kuratiert seit Jahren eine kleine, exquisite Auswahl internationaler Biere. Auch ihn trifft die Pfandlogik mit voller Wucht, denn von manchen Bieren importiert er gerade einmal 2–5 Kartons.

Nicht nur die Registrierung pro Produkt verursacht Fixkosten, auch die Etikettierung wird teuer: Aufkleber mit Pfandlogo und Strichcode, separate Druckdaten, Nacharbeit im Lager: Hoher Aufwand bei minimalen Stückzahlen – kalkulatorisch ist das schlicht unattraktiv. Kainradl beklagt zudem die spürbare Verengung der Vielfalt im Land.

„Die Planung hat uns vergessen“ 

Betz und Kainradl kritisieren die Umsetzung: An Importeure habe man zu wenig gedacht; die Branche sei in die Detailplanung nicht oder zu spät eingebunden worden. Beide hätten sich eine faire Abstufung für Kleinmengen gewünscht.

Flasche statt Dose – gegen den internationalen Trend

Konsequenz: Betz sucht bereits aktiv nach Brauereien, die in Flaschen abfüllen. Das läuft quer zum internationalen Trend, in dem die Dose als leicht, praktisch und vor allem gut für die Qualität des Bieres gilt. Für Österreichs Importwelt könnte das zu einer Rückverlagerung führen – weniger Dosen‑Spezialitäten, mehr klassische Flaschenlinien. Die Folge: Vielfalt wird gedrosselt.

Europäischer Gedanke – österreichische Praxis

Aus der Szene ist zu hören: Das österreichische Dosenpfand wirkt marktabschottend – im Widerspruch zum Gedanken eines offenen europäischen Binnenmarkts. Weniger Mitbewerb für heimische Brauereien? Möglich, sicher ist: Für Konsument:innen bedeutet es weniger spontane Genussmomente aus dem Ausland. 

Zum Schluss

Pfand ist sinnvoll – keine Frage. Aber die Umsetzung entscheidet, ob Vielfalt im Bierregal bleibt. Österreich hat jetzt die Chance, nachzujustieren: fairere Kostenlogik, zügige Freigaben, praktikable Kennzeichnung. Bis dahin gilt: Wer Raritäten liebt, braucht Geduld – und vielleicht wieder öfter die Flasche.

 


Text: Birgit Rieber

Kommentare

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bierpilz • vor 2 Stunden
Leider ist der Markt für gute internationale Craftbiere wahrscheinlich so klein in Österreich, dass sich niemand wirklich um dieses Problem annimmt. Und mir scheint fast, dass es der österreichischen Brauereiwirtschaft gar nicht ungelegen kommt. Als Privatperson kann man/frau ja zum Glück die Lieblingsbiere auch im Ausland bestellen (was sogar sehr gut funktioniert), aber wenn du in deinem Stammlokal zu. B. ein gutes IPA trinken willst schaut's schlecht aus.
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