London greift den Pubs unter die Arme

London greift den Pubs unter die Arme

Die britische Regierung will die Pub-Landschaft stabilisieren. Ab April erhalten Pubs in England 15 % Abschlag auf die neue Gewerbesteuer – im Schnitt rund 1.650 £ (≈ 1.900 €) pro Haus – und die Sätze werden für zwei Jahre eingefroren. Auch Live-Musik-Venues sind umfasst. Der Befund im Hintergrund ist ernst: 2024 gingen unterm Strich 412 Pubs verloren – im Schnitt knapp 34 pro Monat. 

The Guardian: Kernaussagen und Stimmen

Laut Guardian kündigte die Regierung nun ein Unterstützungspaket „im Wert von mehr als £80 Mio. pro Jahr“ für Pubs und Live‑Musik‑Venues in England an; für Wales und Schottland sollen zusätzliche Mittel folgen. Exchequer Secretary Dan Tomlinson: Pubs sparen „im Schnitt £1,650“ dank 15 % Rabatt auf die neue Business‑Rate ab 1. April, danach werden die Sätze „für zwei weitere Jahre in Realwerten eingefroren“. Drei Viertel der Pubs würden nächstes Jahr niedrigere oder unveränderte Rechnungen sehen.

Stimmen aus der Branche: Emma McClarkin (British Beer & Pub Association) sprach von einer Maßnahme, die „certainty for tens of thousands of pubs“ bringe, verbunden mit einem „sigh of relief“. Der Konsumentenverband CAMRA nannte die Entscheidung „shortsighted“.

Pubsterben: zwei Schrauben, ein Effekt

Pubs sind der wichtigste Absatzkanal für Fassbier – und damit Lebensader vieler kleiner Brauereien. 2024 sank die Zahl der Pubs in England & Wales unter 39.000; rund 412 Häuser gingen dauerhaft verloren (Ø 34 pro Monat). 2025 beschleunigte sich der Trend – Branchenzahlen sprechen von etwa einem Pub pro Tag sowie über 200 Schließungen allein im ersten Halbjahr. Wenn Zapfhähne verschwinden, schrumpft zuerst die Vielfalt: weniger Leitungen, weniger Risiko, weniger Nischenbiere. Die nun beschlossene Entlastung zielt genau auf diese Spirale.

Blick hinter die Theke

Wenn Pubs schließen, fällt für viele kleine Brauereien der wichtigste Markt weg. So sehen wir neben dem Pub- auch ein Brauereisterben.  Zum 1. Januar 2026 zählt der SIBA (Society of Independent Brewers and Associates) Brewery Tracker 1.578 aktive Brauereien (1.715 Anfang 2025; 1.815 Anfang 2024). Für 2025 ergibt das ein Netto‑Minus von 237 Betrieben – im Schnitt knapp drei pro Woche. Die Nachfrage nach Bier aus unabhängigen Sudkesseln ist vielerorts da; doch Kosten, Finanzierung und Schuldendienst drücken die Margen. 

Und jetzt?

Die Steuerpause ist kein Zaubertrank – eher ein gut gezapfter Zeitgewinn. Ob daraus ein kräftiger Antrunk für die Szene wird, bleibt abzuwarten.  

Und ja, der Blick über den Kanal mahnt: Auch im deutschsprachigen Raum ringen viele Gasthäuser mit Kosten, Personal und Gewohnheiten – das viel zitierte „Gasthaussterben“ ist mehr als ein Schlagwort. Stoff für den nächsten Artikel. Bis dahin: dem Stammlokal eine Runde Aufmerksamkeit gönnen. Cheers.

 

Quellen: The Guardian (27.01.2026), „Pubs and live music venues to get support after business rates backlash“ 
Foto: @ AdobeStock - TenWit

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