
Das Land stöhnt. Die Hitzewelle drückt die Temperaturen weit über die 35-Grad-Marke, Ventilatoren sind vielerorts ausverkauft, mobile Klimageräte heiß begehrt. Nur: Jedes Gerät, das gegen die Hitze ankämpft, frisst Strom – und treibt im Zweifel die nächste Rechnung nach oben. Dabei ginge es auch anders. Ein Beispiel aus dem niederbayerischen Abensberg.
Kuchlbauers Weissbier-Quartier
Während sich Wohnungen, Büros und Lagerhallen bei solchen Temperaturen aufheizen, bleibt das Logistikzentrum im Weissbier-Quartier der Brauerei zum Kuchlbauer mit rund 17 Grad angenehm kühl. Ganz ohne Klimaanlage sind die frisch gebrauten Weißbiere bestens aufgehoben. Und im Winter kommt die Halle nach Angaben der Brauerei selbst bei Minusgraden ohne Heizung aus.
Das Geheimnis steckt in den Wänden
Das Gebäude wurde mit natürlichen Materialien gedämmt. Auf Holzfaserplatten folgt eine Schicht aus komprimierten Sägespänen, die die Hitze bremst, bevor sie überhaupt ins Gebäude vordringt. So bleibt die Temperatur im Inneren übers Jahr weitgehend konstant. Dazu kommt eine dreidimensional gewellte Holzfassade, die das Sonnenlicht bricht und sich je nach Tageszeit selbst verschattet. Rund ein Drittel der Fassade ist bepflanzt, das Dach vollständig begrünt. Die Pflanzen spenden Schatten und kühlen ihre Umgebung durch Verdunstung. An der Wand wachsen sogar Erdbeeren für die Belegschaft. Auf dem Dach sitzt eine Photovoltaikanlage.
Erst investieren, dann profitieren
Das alles gibt es nicht zum Nulltarif. Dämmung, gewellte Fassade und Begrünung kosten beim Bau erst einmal mehr als eine schlichte Logistikhalle.
Der junge Bräu Jacob Horsch zeigt sich hier fortschrittlicher als mancher Kollege: Er hat die höheren Anfangsinvestitionen bewusst in Kauf genommen. „Mir widerstrebt es, wenn sich Unternehmen mit Selbstverständlichkeiten wie Mehrweg-Flaschen oder Naturpapier-Etiketten als nachhaltig profilieren“, sagt Horsch. „Nachhaltigkeit war für mich nie eine Frage gut klingender Aussagen oder davon, Kunden etwas vorzumachen. Es geht um Investitionen, um konsequentes Handeln und darum, ein Unternehmen langfristig zukunftsfähig aufzustellen.“
Horsch, der die Brauerei in 9. Generation mit gerade einmal 22 Jahren übernahm, hat sein Haus von Beginn an konsequent auf Effizienz getrimmt – auch gegen anfängliche Zweifel.
Vorbildlich
Draußen weit über 35 Grad, drinnen angenehme 17. Während anderswo die Klimageräte gegen die Hitze ankämpfen und die Stromrechnung nach oben treiben, hält sich das Weissbier-Quartier von ganz allein kühl. Klug gedacht vom jungen Bräu. Darauf ein Bier.
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