
Nächster Eintrag in einer traurigen Chronik wankender Brauereien. Die Gründe kennen wir alle, sie noch einmal aufzuzählen ist nicht notwendig.
Was uns bleibt, ist eine Verneigung vor dem, was da verloren geht. Denn hinter jeder dieser Meldungen steht eine Braustätte, die oft seit Generationen zu ihrer Region gehört.
Deshalb halten wir es künftig kurz: Wir nennen die Brauerei, erzählen in wenigen Zeilen ihre Geschichte – und überlassen das Urteil denen, die ihr Bier trinken.
1840 kaufte Graf Joseph zu Stolberg-Stolberg das Gut Westheim bei Marsberg – Bier wurde dort schon vorher gebraut. Ab 1862 wird dann durchgehend gebraut. Seit sechs Generationen führt die Familie von Twickel den Betrieb. 2014 übernahm Moritz Freiherr von Twickel, Braumeister und Biersommelier, von seinem Vater Josef. Zwei Jahre zuvor hatte man das 150-jährige Bestehen gefeiert – mit einem Selbstbewusstsein, das für Familienunternehmen typisch ist: Man denkt in Generationen, nicht in Quartalen.
Jetzt hat das Unternehmen beim Amtsgericht Bielefeld ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt, das Gericht hat die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. 58 Mitarbeitende und zwei Auszubildende sind betroffen, der Betrieb läuft uneingeschränkt weiter. Produktion und Auslieferung der Marken Westheimer, Arolser und Allersheimer werden fortgeführt.
Geschäftsführer Moritz von Twickel sieht darin keinen Schlusspunkt, sondern den Beginn einer Neuaufstellung: Brauerei, Marken, Arbeitsplätze und Standort sollen langfristig gesichert werden.
Ob sechs Generationen reichen, um auch die aktuelle Krise zu überstehen, wird sich zeigen. Die Geschichte der Brauerei Westheim ist bislang jedenfalls eine der Beharrlichkeit.
Foto: wegro communications
Text: Birgit Rieber
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