Jandelsbrunner Brauerei schließt

Jandelsbrunner Brauerei schließt

Wer hat schon von Jandelsbrunn gehört?

Wer kennt es schon, dieses kleine Jandelsbrunn im Bayerischen Wald? Ein Fleck auf der Landkarte, weit weg von lauten Städten. Gut dreitausend Einwohner zählt die Gemeinde, eingebettet in Wälder, Hügel und diese besondere Mischung aus Ruhe und Beharrlichkeit, die Niederbayern so eigen ist. Wirtschaftlich geprägt wird der Ort heute vor allem von einem Wohnmobilhersteller, der Jandelsbrunn fest in der Gegenwart verankert.

Und dann ist da dieses Kuriosum, das Besucher schmunzeln lässt: das Kaffeekannenmuseum. Dreimal so viele Exponate wie der Ort Einwohner hat, heißt es. Angeblich das größte seiner Art in Europa.

Doch wichtiger als Kaffeekannen war für Jandelsbrunn über Generationen hinweg etwas anderes: Bier. Gebraut im Ort. Getrunken im Ort. Getragen von einer Brauerei, die mehr war als ein Betrieb – sie war Teil der Identität.

Wenn eine Brauerei verstummt

Nun ist klar: Die Privatbrauerei Josef Lang wird ihren Betrieb Ende März einstellen. Nach mehr als 300 Jahren Braugeschichte. 13 Mitarbeiter:innen haben in dieser Woche ihre Kündigung erhalten. Das ist eine Nachricht, die weit über Jandelsbrunn hinaus wirkt. Denn hier endet nicht einfach eine Produktion, hier endet ein Kapitel regionaler Braukultur.

Die Entscheidung, so betont die Geschäftsführung, sei alles andere als leicht gefallen. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen, strukturelle Veränderungen im Biermarkt, steigende Kosten – all das trifft kleine, handwerklich arbeitende Brauereien besonders hart. Wir kennen die Argumente gut.

Ein Einzelfall? Leider nein.

Das Aus in Jandelsbrunn steht nicht allein. Es ist bereits die zweite einschneidende Nachricht aus Niederbayern in diesem noch jungen Jahr. Erst vor Kurzem wurde bekannt, dass die Irlbacher Brauerei ihre Produktion nach Moos verlagert – zur Arcobräu (Wir haben berichtet). 

Zwei Fälle, ein Muster – aber die Erklärung greift zu kurz, wenn man sie allein auf Konzentration reduziert. Ja, der Markt wird enger. Ja, Größe zählt. Doch vielerorts kommen hausgemachte Probleme hinzu: Investitionsstaus, veraltete Anlagen, fehlende Sichtbarkeit. Wer heute Bier braut, muss nicht nur sauber arbeiten, sondern auch erzählen können, wofür er steht. Ohne zeitgemäßes Marketing, ohne digitale Präsenz, ohne klare Positionierung wird es unter verschärften Marktbedingungen zunehmend schwer, wirtschaftlich zu bestehen. 

Was bleibt?

Jandelsbrunn wird weiter bestehen. Mit seinem Kaffeekannenmuseum, seinen Vereinen, seiner Landschaft. Aber ohne das Bier aus der eigenen Brauerei wird etwas fehlen. Ein Stück Alltag. Ein Stück Geschichte. Ein Stück Selbstverständnis.

Wer hat schon von Jandelsbrunn gehört? Vielleicht bald mehr Menschen als zuvor. Leider aus einem Grund, der leise macht. Und nachdenklich.

 

 

Foto: Screenshot vom 09.01.2026: Website Jandelsbrunner.de 

Kommentare

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beerguard • vor 9 Stunden
Habe immerhin die Chance gehabt zwei der Biere verkosten zu dürfen. 300 Jahre Biergeschichte begraben zu müssen ist mehr als traurig.
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Henket • vor 10 Stunden
Das ist ein Verlust für die Gemeinde
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th_e_sa • vor 11 Stunden
Sehr traurige Nachricht.
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