Was für ein Tag für Bierliebende. Zwei Abschiede - beide sind weit mehr als bloße Produktionsstopps. Die Hütt-Brauerei im hessischen Baunatal und Schneeeule aus Berlin verkünden fast zeitgleich das Ende ihrer Braukunst.
Hütt-Brauerei: 270 Jahre, neun Generationen
Die Hütt-Brauerei ist nicht nur Brausstätte. Sie ist nordhessisches Kulturgut. 270 Jahre alt, seit neun Generationen in Familienbesitz, Garant für Biergenuss in höchster Qualität. Nun stellt Frank Bettenhäuser die Produktion ein. Mit 68 Jahren zieht er einen Schlussstrich – schweren Herzens. "Mehr als vier Jahrzehnte lag das Geschäft in meiner Verantwortung, in denen ich mit Leidenschaft und ganzer Kraft daran gearbeitet habe, unsere Hütt-Brauerei erfolgreich zu führen", schreibt er. Trotz vorausschauender Suche blieb eine tragfähige Nachfolgelösung aus. So erfolgt die Schließung nun in geordneter Liquidation – aus Respekt gegenüber Mitarbeitenden, Kunden, Partnern und der langen Familiengeschichte. Bettenhäuser nennt es das "für mich schwerste Kapitel der Hütt-Geschichte" und verbindet den Abschied mit einem ausdrücklichen Dank an alle, die den Weg der Brauerei begleitet haben.
Schneeeule und die historische Berliner Weiße
Ganz anders, aber ebenso bedeutend: Schneeeule. Gründerin, Inhaberin und Braumeisterin Ulrike Genz wollte die historische Berliner Weiße zurück ins Rampenlicht holen. Sie hat viele Jahre lang geschafft und dem Bierstil eine fantastische Bühne geboten – mit Witz, Idealismus und wildvergorener Leidenschaft. Was sie schuf, war kein Massenbier, sondern ein Kultgetränk für Kenner. Doch der Markt sprach eine andere Sprache: zu teuer, zu speziell, zu wenig verstanden. Trotz Hype, Crowdfunding und großer Pläne blieb am Ende überall zu wenig: Raum, Zeit, Kraft. Am 30. September schließt Ulrike Genz nach stolzen neun Jahren ihren Schneeeule-Salon, die letzten Flaschen lagern im Keller und stehen zum Verkauf.
Ein Verlust? Ja. Ein Scheitern? Nein. Es zeigt sich, wie herausfordernd der deutsche Biermarkt gerade für jene ist, die abseits klassischer Stile brauen. Pioniere wie Ulrike Genz, die sich mit Leidenschaft für fast vergessene Biertraditionen eingesetzt haben, stoßen an Grenzen – wirtschaftlich, logistisch, kulturell. Hoffen wir, dass die historische Berliner Weisse nicht wieder in Vergessenheit gerät.
Quellen: Hütt-Brauerei, Schneeeule @ Facebook
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