
Danke für die Kommentare unter der letzten Folge.
Wir folgen euren Wünschen und holen die fehlenden Länder nach. Heute, in Folge 11, tauchen wir in die Bierkultur von Portugal, DR Kongo und Usbekistan ein.
Folge 1: Gruppe E / Deutschland, Elfenbeinküste, Curaçao, Ecuador und Gruppe J / Argentinien, Algerien, Kongo, Österreich
Folge 2: Gruppe A / Mexiko, Südafrika, Südkorea, Tschechien
Folge 3: Gruppe B / Schweiz, Kanada, Bosnien-Herzegowina, Katar
Folge 4: Gruppe C / Brasilien, Marokko, Schottland, Haiti
Folge 5: Gruppe D / USA, Australien, Paraguay, Türkei
Folge 6: Gruppe F / Niederlande, Japan, Schweden, Tunesien
Folge 7: Gruppe G / Belgien, Ägypten, Iran, Neuseeland
Folge 8: Gruppe H / Spanien, Kap Verde, Uruguay, Neuseeland
Folge 9: Gruppe I / Frankreich, Norwegen, Sénégal, Irak
Folge 10: Kolumbien und England
Wer Portugal bereist, denkt an Portwein und Vinho Verde. Bier spielt im internationalen Bild des Landes oft nur eine Nebenrolle. Zwei große Brauereigruppen teilen sich den Markt, daneben setzt eine junge Craftbier-Szene seit Jahren Akzente.
Nord und Süd
Im Norden trinkt man Super Bock. Der Name spielt uns einen Streich. Wer „Bock" liest, mag an Starkbier denken. In Portugal war „Bock" einst einfach das Wort für Bier. Übersetzt man den Rest gleich mit, bleibt: Superbier. Ein selbstbewusster Name für ein helles Lager, und genau das ist Super Bock bis heute.
Die Braustätte, aus der Super Bock kommt, ist älter als ihr berühmtestes Kind. Sie entstand 1890 und hat ihren Sitz in Leça do Balio bei Porto. Lange hieß sie Unicer, 2017 benannte sie sich nach ihrem eigenen Bier um: Super Bock.
Im Süden trinkt man Sagres. Das Bier kam 1940 in Lissabon auf den Markt, eigens zur Weltausstellung „Exposição do Mundo Português". Gebraut wird das Lagerbier von der Sociedade Central de Cervejas, die 1934 aus dem Zusammenschluss mehrerer älterer Brauereien entstand. Seit 2008 gehört die Braustätte zum Heineken-Konzern.
Bier von den Inseln
Auf Madeira braut die Empresa de Cervejas da Madeira seit 1969 Coral, ein helles Lager, das man auf der Insel an jeder Ecke bekommt und das bis in die USA und nach Angola exportiert wird. Auf den Azoren hält Melo Abreu mit dem Especial dagegen, dem Inselbier des Archipels. Beide sind auf ihren Inseln so selbstverständlich, wie es Super Bock und Sagres auf dem Festland sind.
Neue Kessel in Marvila
Die kleine Szene ist jung. In Porto legte Sovina den Grundstein, das Projekt begann 2009, die ersten Biere kamen 2011 in den Verkauf.
In Lissabon wurde ein ganzer Stadtteil zum Bierviertel: Marvila, ein früheres Industriequartier am Tejo. Dois Corvos eröffnete dort 2014, als eine der ersten Craftbrauereien der Stadt. Nebenan braut Musa, deren Biere nach Songtiteln benannt sind. Und oben auf dem Hügel Graça sitzt Oitava Colina, benannt nach dem achten Hügel Lissabons.
Egal ob Super Bock, Sagres, Coral, Especial oder ein Pale Ale, IPA oder Stout aus einer Mikrobrauerei, wir stoßen mit jenem Wort an, das im ganzen Land gilt: Saúde.
Wer an die Demokratische Republik Kongo denkt, sieht Bilder des mächtigen Kongoflusses, den tropischen Regenwald, die kulturelle Vielfalt. Und Bier? Es gehört zum Alltag. Seit langem, denn man braute schon lange bevor die ersten Europäer in die Region kamen.
Koloniales Erbe
Mit Beginn der belgischen Kolonialzeit entstanden die ersten modernen Brauereien nach europäischem Vorbild. Die wichtigste ist bis heute die Brauerei Bralima, gegründet 1923 in Léopoldville, dem heutigen Kinshasa. 1926 wurde als erstes Produkt Primus, ein helles Lager mit milder Bittere, auf den Markt gebracht. Vielen Kongolesen gilt es bis heute als das Nationalbier. Primus wird in diesem Jahr hundert.
Bralima braut an mehreren Standorten im Land, in Kinshasa, Kisangani und Lubumbashi. Turbo King, ein kräftiges dunkles Bier mit 6,5 Prozent, das es nur im Kongo gibt, und Mützig, ein vollmundiges Lager, sind die wichtigsten Marken neben Primus. Von 1986 an gehörte Bralima zum niederländischen Heineken-Konzern. 2026 zog sich Heineken zurück und verkaufte die Brauerei an eine Holding aus Mauritius.
Die Konkurrenz kommt aus dem Lager der französischen Castel-Gruppe. In Kinshasa braut Bracongo das helle Skol und das Ngok. Im Südosten, in Katanga, sitzt Brasimba mit Marken wie Simba, Tembo und Castel, die vor allem dort ihre Anhänger haben.
Mikrobrauer?
Eine eigene Craftbier-Szene steht noch am Anfang. Braurohstoffe sind schwer zu bekommen, die Infrastruktur macht kleinen Projekten das Leben schwer. Trotzdem entstehen in Kinshasa erste Mikrobrauereien und Lokale, die Pale Ales, Weizenbiere oder Stouts ausprobieren.
Sorghum, Hirse, Mais ...
Die älteste Brautradition des Landes zeigt sich in den hausgebrauten Bieren aus Hirse, Sorghum und Mais. Die Rezepte wechseln von Region zu Region, getrunken wird meist frisch und gemeinsam, bei Hochzeiten, Erntefesten und Ahnenritualen.
Im bananenreichen Osten kommt ein anderes Getränk auf den Tisch. Kasiksi wird aus zerdrückten Bananen mit etwas Sorghum-, Hirse- oder Maismehl hergestellt. Im Süden, dem früheren Katanga, trinkt man Munkoyo, ein süßliches, schwach alkoholisches Getränk aus Mais oder Maniok, vergoren mit den Wurzeln der Munkoyo-Pflanze, die ihm den Namen gibt. Wer es stärker mag, greift zum Lotoko, einem Schnaps aus Mais oder Maniok, gebrannt in selbstgebauten Blasen.
Das ist der Kongo. Angestoßen wird auf Französisch: Santé.
Seidenstraße, Samarkand und Buchara, blaue Kuppeln und Basare. Das Nationalgetränk Usbekistans ist Tee, grüner kuk-choy, den man zu jeder Mahlzeit trinkt und jedem Gast zuerst anbietet. Das Land ist muslimisch geprägt und offiziell säkular. Getrunken wird trotzdem, vor allem Wodka. Bier spielt eine Nebenrolle. Rund acht Liter trinkt jeder Usbeke im Jahr, das ist nicht viel. Heute gibt es rund 18 Brauereien im Land.
Ein Stück Böhmen in Samarkand
Die älteste Brauerei ist Samarkand-Praha. 1885, als sie gegründet wurde, war das die erste Braustätte Zentralasiens. Der Unternehmer Otto Vogau ließ sie mit böhmischer Technik errichten, der Ziegelbau erinnert an Brauereien in Pilsen oder Prag. Bis heute entsteht hier Pulsar, im Stile eines tschechischen Pilsbiers von einem tschechischen Braumeister gebraut. Zur Brauerei gehört die Bierstube Zlata Praha, das Goldene Prag.
Das „freie" Bier
Das meistgetrunkene Bier ist Sarbast (usbekisch für „frei" oder „unabhängig"). Das Lagerbier wird seit 2007 in Taschkent gebraut, von Carlsberg Usbekistan, einem Gemeinschaftsunternehmen des dänischen Konzerns mit einem lokalen Partner.
Sowjetisches Erbe
1924 wurde Usbekistan Teil der Sowjetunion. Der Wodka kam ins Land, bis heute wird er mancherorts aus der piala getrunken, der kleinen Teeschale. Bier war lange das Getränk, mit dem man den Wodka nachspülte.
Craft aus Taschkent
Eine eigenständige Craftbier-Szene steht noch am Anfang. In Taschkent entstehen erste Brewpubs und kleine Brauereien mit Pale Ales, IPAs und Stouts. Ihr Marktanteil ist gering, doch gerade junge Städter zeigen wachsendes Interesse an handwerklich gebrauten Bieren und internationalen Stilen.
Ob Pulsar, Sarbast oder kuk-choy, angestoßen wird mit demselben usbekischen Gruß: Salomat bo'ling, auf die Gesundheit.
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