
Unsere Serie zum Thema "Bier in den teilnehmenden Ländern der Fußball WM 2026" geht weiter. Wir schauen uns Gruppe C an.
Folge 1: Gruppe E&J
Folge 2: Gruppe A
Folge 3: Gruppe B
Brasilien ist der drittgrößte Biermarkt der Welt, hinter China und den USA. Über 150 Millionen Hektoliter werden jährlich gebraut, fast alles unter den Marken von Ambev, dem brasilianischen Strang von AB InBev. Die wichtigsten Biermarken: Skol, Brahma, Antarctica und Bohemia und Heineken. Heineken führt Brasilien inzwischen sogar als seinen wichtigsten Markt weltweit.
In den brasilianischen Fußballstadien wird allerdings kein Bier getrunken, seit 2003 gilt dort ein striktes Alkoholverbot. Nur im Jahr 2014 wurde es aufgehoben – für die Dauer der Fußball-WM, die damals in Brasilien stattfand. Die Regierung gab dem Druck der FIFA und ihrem Sponsor Anheuser-Busch Budweiser nach.
Capital Brasileira da Cervaja
Abseits der großen Konzernbrauereien blickt Brasilien auf eine rege Kleinbrauerei-Szene mit Bezug zur deutschen Bierkultur. Blumenau im Bundesstaat Santa Catarina gilt als „Capital Brasileira da Cerveja”. Die Stadt wurde 1850 vom Apotheker Hermann Blumenau mit siebzehn deutschen Einwanderern gegründet, sie trägt bis heute seinen Namen. Seit 1984 feiern die Brasilianer dort das zweitgrößte Oktoberfest der Welt; nach München natürlich. Brasilianische Brauereien tragen oft deutsche Namen: Cervejaria Bierland, Cervejaria Baden Baden oder Cervejaria Bamberg. Letztere ist auch in Deutschland bekannt. Gemeinsam mit dem Weiherer Bier in Oberfranken entstehen in schöner Regelmäßigkeit Collab-Brews.
Brasiliens eigener Bierstil
Die Begeisterung für deutsche Bierstile ist groß. Einer ist in den letzten Jahren zu besonderem Ruhm gekommen: Die Berliner Weisse. In Brasilien wird das gesäuerte Weizenbier mit heimischen Früchten wie Jabuticabe oder Mango gebraut und Catharina Sour genannt. Seit 2018 ist der Bierstil international anerkannt.
Brasilien ist Favorit. Zu Hause wird mit Skol, Brahma oder Catharina Sour angestoßen. Wir könnten mitfeiern, wenn es soweit kommen sollte. Und wir könnten das Imperial Stout Zapfenduster wählen, dem fränkisch-brasilianische Gemeinschaftssud von Weiterer und Cervejaria Bamberg. Prost. Oder besser: Saúde.
Eigentlich ist es ganz simpel: Haiti hat eine einzige Brauerei. Die Brasserie Nationale d'Haïti, kurz BRANA. Sie wurde 1973 gegründet. 1976 kam das American Lager “Prestige” auf den Markt und mauserte sich schnell zur Nr. 1 des Landes.
Derzeit steht BRANA still. Prestige wird importiert. Auf dem Eitkett ist zu lesen: “In Holland gebraut, während wir unsere Brauerei in Haiti modernisieren – mit dem Versprechen, dass die Produktion wieder in unser geliebtes Land zurückkehren wird.”
Seit 2011 gehört BRANA zu 95 Prozent zum Heineken-Konzern. Prestige hat im Land einen Marktanteil von 98 Prozent. 2018 bekam die Marke ein neues Etikett: rot, blau, rot, die Farben der haitianischen Flagge.
Bierähnliches mabi
Vor der Kolonisierung tranken die Taíno, die Ureinwohner der Karibik, mabi: ein aus der Rinde des Mabi-Baums gebrautes Getränk, das vergoren eine leicht moussierende, bierähnliche Bitterkeit entwickelte. In Puerto Rico trinkt man es als schäumendes „mavi champán". In Haiti hingegen dominiert heute die alkoholfreie Form: Mabi-Rinde, aufgekocht mit Sternanis, Zimt, Nelken, Orangenschale und Vanille, gefiltert und kalt als Erfrischungsgetränk für die heiße Jahreszeit geliebt.
Einer der Claims von Prestige lautet: “Der Stolz Haitis”. Stolz können die Haitianer und Haitianerinner schon jetzt sein. Sie sind dabei! Das eine oder andere Prestige wird sicher fließen.
Marokko ist zu 99 Prozent muslimisch. Der Koran verbietet Alkohol. Ein königliches Dekret von 1967 untersagt den Verkauf von Alkohol an marokkanische Muslime. Trotzdem flossen dem Staat 2025 rund 1,55 Milliarden Dirham an Steuereinnahmen aus Bier zu.
Das ist Marokko.
Die Spannung zwischen Verbot und Wirklichkeit ist marokkanischer Alltag. In Touristenhochburgen wie Marrakesch, Casablanca oder Agadir bekommt man Bier in den lizenzierten Supermärkten und in Hotels und Restaurants. Während des Ramadan verschwindet der Alkohol dann diskret. Und kommt danach wieder. Ausnahmen bestätigen die Regel, weshalb Hotels und touristische Betriebe ganz legal und ganzjährig alkoholhaltige Getränke anbieten dürfen.
Société des Brasseries du Maroc
Flag Spéciale ist das populäre Bier Marokkos, Marktführer seit Jahrzehnten. Gebraut wird es von der Société des Brasseries du Maroc, kurz SBM, gegründet 1919 während der Zeit des französischen Protektorats. Die Franzosen brachten den Weinbau nach Marokko und die Braukunst gleich mit.
Heute gehört die SBM mehrheitlich zur Castel Group, einem französischen Konzern, der in ganz Afrika Brauereien betreibt. Neben Flag führt SBM auch die Marke Stork und Casablanca, beide sind helle Lagerbiere. Heineken ist mit einem kleineren Anteil ebenfalls im Spiel. Ein eigenständiger Craft- oder Brewpub-Sektor existiert in Marokko nicht.
Atay und alte Tradition
Das eigentliche Nationalgetränk Marokkos ist atay, grüner Tee mit frischer Minze und viel Zucker, dreimal wird er umgegossen, bis etwas abgekühlt ist. Wer in Marokko zu Gast ist, bekommt atay. Nicht Bier.
Beim WM-Turnier 2022 in Katar schrieb Marokko Fußballgeschichte. Das Team war die erste afrikanische und gleichzeitig die erste arabische Mannschaft im Halbfinale. Das ganze Land feierte, auf den Straßen, auf den Plätzen. Mit Tee. Vielleicht in diesem Jahr wieder?
No.1: Leann Froach
Vier Jahrtausende lang war Heidekraut in Schottland das Kraut, das dem Bier seinen Charakter gab. Auf der Insel Rum fanden Archäologen Spuren von Heidekrautbier an einer neolithischen Tonscherbe, datiert auf ca. 2000 v. d. Z. Auf den Hügeln, die jeden Spätsommer violett aufblühen, lag der Rohstoff buchstäblich vor der Tür. Dann wurde, zum Ende des 18. Jahrhunderts der Hopfen zur Pflicht und das Heidekrautbier verschwand. Bis 1988. Damals betrat – so will es die Geschichte – eine Frau den Homebrew-Laden von Bruce Williams und gab ihm ein handgeschriebenes gälisches Rezept für ein Leann Fraoch, ein „Heidekrautbier”. Seither wird das Fraoch von Williams Brothers Brewing gebraut.
No.2: Traquair House
In Traquair House, dessen Mauern seit 1107 stehen, wurde die viele Jahrhunderte lang gebraut: für Familie, Gesinde, Gäste. Nach 1800 hörte man auf, die Gerätschaften blieben, die Räume füllten sich mit Gerümpel und wurden vergessen. In den 1960ern entdeckte der 20. Laird (ein schottischer Gutsherr) die alte Brauerei mit dem Kupferkessel von 1738 und den uralten Eichenbottichen. Er nahm sie 1965 wieder in Betrieb. Heute braut Lady Catherine Maxwell Stuart, seine Tochter, das nach Trockenfrüchten, Lakritz und Eiche duftende Scotch Ale. Der für Schottland typische, starke Bierstil wird auch Wee Heavy genannt.
No.3: Belhaven und Tennent's
Was die großen Traditionsnamen angeht, ist die Lage eindeutig: Sie existieren, sie brauen am historischen Standort. Und sie gehören Großkonzernen.
Schottlands älteste arbeitende Brauerei steht in Dunbar, an der Küste von East Lothian. Belhaven braut seit 1719. Die Benediktinermönche der Isle of May waren vermutlich schon ab 1150 dort, gruben Brunnen und legten Keller an, die die Brauerei noch heute nutzt. 1837 nannte der Kaiser von Österreich Belhaven-Ale den „Burgunder von Schottland". Schöner kann man ein Bier kaum adeln. Heute gehört Belhaven zur englischen Greene King Gruppe, gekauft 2005 für 187 Millionen Pfund.
Noch älter ist die Geschichte von Tennent's in Glasgow, seit 1556 dort gebraut. In den 1880er Jahren reiste Hugh Tennent nach Bayern, ließ sich vom Pilsner-Stil inspirieren und brachte 1885 ein Lagerbier nach Hause. Die Presse nannte es erst den „Traum eines Wahnsinnigen” und musste sich dann von der Erfolgsgeschichte eines besseren belehren lassen. Eigentümer ist seit 2009 die irische C&C Group.
No. 3 1/2: Craft Beer
Ein Riesenthema in Schottland. Wir denken an BrewDog und sein berühmtes Punk IPA. An den schnellen Aufstieg und den plötzlichen Fall, über den wir in letzter Zeit viel berichtet haben. Lies nach, wenn du Lust hast und mehr wissen willst: BrewDog geht an Tilray und BrewDog startet Verkaufsprozess
Die Tartan Army wird feiern, egal, wie es für ihre Mannschaft ausgeht. Das ist sicher. Slàinte.