Folge 7 - WM 2026 - Gruppe G

Folge 7 - WM 2026 - Gruppe G

Weiter geht's mit unserer Serie zur Bierkultur jener Länder, die an der Fußball-WM teilnehmen. Heute schauen wir in die Gruppe G. 

Folge 1: Gruppe E&J
Folge 2: Gruppe A
Folge 3: Gruppe B
Folge 4: Gruppe C
Folge 5: Gruppe D
Folge 6: Gruppe F

Neuseeland

Neuseeland hat knapp fünf Millionen Einwohner, der Biermarkt ist entsprechend klein. Lange dominierten ein paar Großbrauereien. In den letzten zwei Jahrzehnten ist daraus eine lebhafte Craftbier-Szene gewachsen, getragen von Hopfensorten, die auf der Südinsel angebaut werden und in Brauereien auf der ganzen Welt landen.

Die zwei Großen

Zwei Brauereigruppen teilen sich den Massenmarkt. Lion ist die größere, sie gehört dem japanischen Kirin-Konzern. Lion bringt die Marken Steinlager und Lion Red auf den Markt. Auch das Kultbier der Neuseeländer, Speight's Gold Medal Ale, ist Teil von Lion. Es wird seit 1876 in der Braustätte in Dunedin produziert.

DB Breweries ist seit 2012 in den Heineken-Konzern integriert. Die wichtigsten Biere sind Tui EIPA, Export Gold und Monteith's.

Die Kleinen

Die Dynamik kommt aus der Craftbier-Szene. Garage Project in Wellington, ParrotDog ebendort und 8 Wired in Warkworth haben den Ruf des Landes geprägt, vor allem mit hopfenbetonten Pale Ales und IPAs. Daneben gibt es experimentelle Sauerbiere, Fassreifungen und moderne Lagerbiere.

Ganz unabhängig ist die Szene nicht geblieben. Lion hat sich zwei der bekanntesten Namen geholt, Emerson's aus Dunedin 2012 und Panhead aus Wellington 2016.

Der Hopfen aus Nelson

Am bekanntesten aber ist Neuseeland für seinen Hopfen. Angebaut wird er vor allem in der Region Nelson im Norden der Südinsel. Dort entstehen weltweit begehrte Aromasorten wie Nelson Sauvin, Motueka, Riwaka, Nectaron und Waimea. Diese Hopfen zeichnen sich durch intensive Noten von Stachelbeere, Sauvignon-Blanc-Trauben, Limette, tropischen Früchten und Zitrus aus. Besonders Nelson Sauvin gilt als eine der einflussreichsten Hopfensorten der modernen Craftbier-Bewegung.

Iran

In einem Grab in Shahr-i Sokhta, der „Verbrannten Stadt" im Südosten des Iran, fanden Forscher die Rückstände eines vergorenen Getränks aus Gerste und Trauben, halb Bier, halb Wein, rund 5000 Jahre alt. Auch im Zagros-Gebirge, in Godin Tepe, wurden an einem Tonkrug Spuren von Gerstenbier entdeckt. Sie stammen aus der Zeit um 3400 bis 3000 v. d. Z. Hier wurde gebraut, lange bevor die großen Brautraditionen in Europa entstanden. Bekannt war das alte Persien später vor allem für seinen Wein. Bier war das Getränk der arbeitenden Bevölkerung.

Vor der Revolution

Im 20. Jahrhundert entstand, unter den Pahlavi-Schahs, eine wichtige Brauindustrie. 1931 eröffnete die Argo-Brauerei in Teheran. 1963 kam Abjoy-e Shams dazu, im Teheraner Viertel Majidieh. Sie wurde von Armeniern gegründet. Mindestens vier Braustätten gab es in den 1960er-Jahren im Land.

Mit der islamischen Revolution änderte sich alles. Herstellung, Verkauf und Konsum alkoholischer Getränke wurden weitgehend verboten. Die meisten Brauereien schlossen oder stellten ihre Produktion um. Bier, zumindest jenes mit Alkohol, verschwand aus dem öffentlichen Leben und ist heute nur über Schmuggel oder im Schwarzmarkt erhältlich.

Ohne Alkohol und dem Bier ähnlich

Der Iran besitzt heute einen der größten Märkte für alkoholfreie Malzgetränke und alkoholfreies Bier im Nahen Osten. ماءالشعیر, wörtlich „Gerstenwasser", ist das wichtigste Getränk auf Malzbasis. Es wird oft mit Früchten wie Granatapfel, Pfirsich oder Zitrone aromatisiert und mit Bier bezeichnet. Die größte Marke ist Delster, gefolgt von Istak. Sogar die alte Shams-Brauerei öffnete wieder und stellt heute Gerstenwasser her.

Be salâmati

Ausgerechnet eines der ältesten Bierländer der Welt besitzt heute keine öffentliche Bierkultur mehr. Zumindest keine im westlichen Sinne. Angestoßen wird trotzdem, mit „be salâmati", auf die Gesundheit. Passenderweise ohne Alkohol.

Belgien

Kein Land braut so vielfältig wie Belgien. 2016 erklärte die UNESCO die belgische Bierkultur zum immateriellen Kulturerbe. Das Spektrum reicht weit: Auf der einen Seite dominiert, wie überall auf der Welt, das helle Lagerbier, das die meisten Belgier täglich trinken. Auf der anderen werden landestypische Ale-Bierstile und eigenwillige Sauerbiere gepflegt. Für sie ist das Bierland berühmt. Wer jemals in einer Bar in Belgien war, weiß, was Biervielfalt bedeutet.

Die Lagerbier-Welt

Das meistgetrunkene Bier ist Jupiler, ein Pils. Es hält rund 40 Prozent des belgischen Marktes. Jupiler gehört zu AB InBev, dem größten Braukonzern der Welt, mit Sitz in Leuven. Die Geschichte des Konzerns reicht bis ins Jahr 1366 zurück, zur Brauerei Den Hoorn in Leuven. Auch Stella Artois, das international bekannte helle Lager, kommt aus Belgien und gehört zum selben Konzern.

Die Welt der belgischen Ales

Wo soll man anfangen, wenn man die belgische Biervielfalt beschreiben will? Bei den Strong Ales. Das Dubbel ist dunkel und malzig, das Tripel hell und stärker, das Quadrupel dunkel und am stärksten, eines wuchtiger als das andere. Entstanden sind diese Biere einst in Klöstern, nicht nur bei den Trappisten. Deren fünf Klosterbrauereien, von Chimay bis Westvleteren, haben bis heute Liebhaber in aller Welt.

Dass Belgien das starke Bier so pflegt, hat auch mit dem Vandervelde-Gesetz von 1919 zu tun. Es verbot den Verkauf von Spirituosen in Lokalen, eine Art kleine Prohibition, ließ Bier und Wein aber unangetastet. Wer in der Kneipe etwas Kräftiges wollte, griff nun zum starken Bier. In den Jahren danach wurden belgische Biere kräftiger: Aus Moortgats Victory Ale wurde 1923 das Duvel, und Westmalle gab seinem Dubbel 1926 jene Stärke, die es bis heute prägt.

Leichter und frischer ist das Witbier, die belgische Variante des Weizenbiers, gewürzt mit Koriander und Orangenschale.

Die Sauerbiere 

Bleibt Belgiens eigenwilligste Spezialität: die Sauerbiere. Das Flanders Red, jahrelang im Eichenfass gereift, und die Lambics, die mit Hefen und Bakterien aus der Luft spontan vergären. Doch die heben wir uns auf. Übersteht Belgien die Vorrunde, widmen wir ihnen einen eigenen Text. Daumen drücken!

Ägypten

Im alten Ägypten war Bier Nahrung, Zahlungsmittel und Kultgetränk zugleich. Die Arbeiter, die in Giza die Pyramiden bauten, erhielten drei Bierrationen täglich als Teil ihres Lohns. Archäologische Funde in der Königsnekropole von Abydos, datiert auf 3.100-2.900 v. d. Z., belegen eine vorindustrielle Bierproduktion im größeren Maßstab. In vielen, nebeneinander stehenden Gefäßen konnten wohl an die 20.000 Liter Bier pro Brauvorgang hergestellt werden. Das Bier wurde vermutlich bei königlichen Festen, Tempelritualen und Bestattungszeremonien getrunken. Man sog das „henket" genannte, dickflüssige und nahrhafte Getränk durch einen Halm aus Schilf aus dem Krug. Die Schwebstoffe blieben zurück.

Stella, seit 1897

Heute gilt Stella als das Nationalbier, es dominiert den Markt Ägyptens. Seit 1897 wird es gebraut. Heute von der Al Ahram Beverages Company. 1963 verstaatlichte Präsident Nasser die Brauereien, 1997 wurden sie wieder privatisiert, 2002 übernahm Heineken.

Ägypten ist mehrheitlich muslimisch. Alkohol ist erlaubt, aber vor allem in Hotels, Bars und Touristengebieten zu haben. Während des Ramadan und an islamischen Feiertagen ist der Verkauf an Ägypter verboten. Verbreitet sind deshalb auch alkoholfreie Biere. Birell und das fruchtige Fayrouz sind die bekanntesten Marken. Beide kommen aus dem Hause Al Ahram.

bouza, das alte Gebräu

Das Bier der Pharaonen ist nicht ganz in Vergessenheit geraten. Als bouza wird es bis heute hergestellt; nach einer Methode, die sich über die Jahrtausende kaum verändert hat. Aus gemälztem Korn und angebackenem Brot entsteht eine trübe, sättigende Masse, die ein bis zwei Tage gären darf. Heute findet man es vor allem in einfachen Lokalen und an Straßenständen.

Was geblieben ist

Vor 5.000 Jahren wurde an den Pyramiden der Lohn in Bier ausgezahlt. Verschwunden ist es nie. Heute bestellt man Stella im Strandlokal, kauft Birell für zu  Hause, genießt bouza in einer Gasse von Kairo.

Comments

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Ruam da Zwoade • 4 Hours ago
Muss noch öfters lesen 🙃
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Professor Eichstrich • 5 Hours ago
das ist ja mal ne Flaggenkunde ;-)
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