Folge 8 - WM 2026 - Gruppe H

Folge 8 - WM 2026 - Gruppe H

Weiter geht's mit unserer Serie zur Bierkultur jener Länder, die an der Fußball-WM teilnehmen. Heute schauen wir in die Gruppe H. 

Folge 1: Gruppe E&J
Folge 2: Gruppe A
Folge 3: Gruppe B
Folge 4: Gruppe C
Folge 5: Gruppe D
Folge 6: Gruppe F
Folge 7: Gruppe G

Spanien

In Spanien trinkt man das Bier kalt. Richtig kalt. Viele Bars zapfen ins gefrorene Glas, auf dem sich gleich eine feine Reifschicht bildet. Damit es richtig lange kalt bleibt, trinkt man klein: Man bestellt "Una caña, pro favor." und bekommt ein Glas mit rund 0,2 Litern mit einem kleinen Teller Oliven. Wer größeren Durst hat und schnell genug trinkt,  bestellt "Una jarra", den Halbliterkrug.

Die Großen Player im Biermarkt

Rund 40 Millionen hl Jahresproduktion machen Spanien zu einem der zehn größten Bierproduzenten der Welt. In Europa liegt das Land sogar auf Platz drei, hinter Russland und Deutschland und vor Großbritannien.

Vier Konzerne dominieren; zusammen bedienen sie rund 94 Prozent des spanischen Marktes:

  1. Mahou-San Miguel mit Mahou Cinco Estrellas, Alhambra Especial und dem Exportschlager San Miguel 
  2. Heineken España mit den Marken Cruzcampo und El Águila.
  3. S.A. Damm in  Barcelona mit dem hellen Lager Estrella Damm.
  4. Hijos de Rivera aus A Coruña, der kleinsten der vier großen Gruppen, zu 100 Prozent in Familienbesitz. Estrella Galicia Especial ist ihr wichtigstes Bier. 

Die Kleinen

Auch an Spanien ist die Craftbier-Bewegung nicht vorbeigegangen. Die Zahl der Mikrobrauereien ist in den letzten 15 Jahren von etwa 20 auf über 400 gestiegen. Als besonders bedeutend gelten Naparbier, Garage Beer, La Quince und Cervezas La Pirata.

Und bei der WM?

Spanien gilt als Favorit. Auf viele Tore und viele eiskalte cañas. ¡Salud!

Uruguay

Uruguay ist und war schon immer ein „Lager-Land". Die Biergeschichte beginnt in Montevideo anno 1866, als der deutsche Einwanderer Conrado Niding die erste Brauerei im kleinsten spanischsprachigen Land Südamerikas gründete. Ihm folgten weitere Betriebe, die sich im Laufe der Jahrzehnte durch mehrere Fusionen zur heutigen Fábricas Nacionales de Cerveza (FNC) zusammenschlossen, beginnend 1933 als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise. Die FNC – heute Teil von Anheuser-Busch InBev und klarer Marktführer – produziert die bekanntesten Marken des Landes: Pilsen, Zillertal (!) und Norteña.

Die dominierende Stilfamilie heißt „Lager". Porter ist Nummer zwei, gefolgt von Tostada, einer Art Amber Ale. Getrunken wird meist aus der Ein-Liter-Flasche, die am Tisch geteilt wird. Jedes Lokal hat sein Hausbier; eine breitere Auswahl, wie sie gelegentlich in Europa zu finden ist, ist unüblich. Patricia, heute ebenfalls FNC, ist ein glutenfreies Produkt; die Marke ist seit 1937 auf dem Markt.

Der Gesamtkonsum liegt bei rund 106 Millionen Liter pro Jahr, der Pro-Kopf-Konsum bei etwa 30 Litern. Bier macht 35 Prozent des Alkoholkonsums aus, ist Nummer 2 hinter Wein. Uruguay gilt als das Land mit dem höchsten Alkoholkonsum pro Kopf in Lateinamerika.

Neue Brauereien

Ab 2007 entstand eine Craft-Bier-Szene, angeführt von Brauereien wie Mastra, Davok und Cabesas Bier.

Heute gibt es in Uruguay mehr als 20 Craft-Brauereien mit 55 Marken, vor allem in Montevideo, Canelones und Maldonado. Beliebte Stile der Craft-Bier-Szene sind IPA, Weizen, Dunkel und Frucht-IPA.

Wir wünschen „¡Salud, amor y plata – y tiempo para gozarla!" Das heißt auf Deutsch: „Gesundheit, Liebe und Geld – und Zeit, es zu genießen!"

Kap Verde

Cabo Verdes Biergeschichte beginnt mit der portugiesischen Kolonialzeit und dem damit verbundenen Import europäischer Trinkgewohnheiten. Eine eigene lokale Produktion entstand erst nach der Unabhängigkeit im Jahr 1975. 1988 wurde CERIS (Sociedade Caboverdiana de Cerveja e Refrigerantes) in Praia gegründet.

Die Gesellschaft produzierte zunächst die Marke Coral unter portugiesischer Lizenz. Als 2005 die Equatorial Coca-Cola Bottling Company die CERIS übernahm und die Lizenzrechte an Coral verfielen, wurde 2006 Strela lanciert. Der Name ist kreolisch und bedeutet „Stern". Die Marke etablierte sich rasch als nationales Symbol und ist heute das mit Abstand meistkonsumierte Bier des Landes.

CERIS in Praia ist die einzige Industriebrauerei Cabo Verdes. 2022 investierte die Muttergesellschaft neun Millionen Euro in eine neue Abfüllanlage. Strela wird in vier Varianten angeboten: die Clássica (5,6 % ABV), die leichtere Kriola (5,0 %), die dunkle Preta (5,4 %) sowie das starke Ego (8,0 %). Clássica und Kriola wurden 2024 mit der Silbermedaille der Monde Selection ausgezeichnet.

Oh, Craft!

Neben Strela sind portugiesische Importe wie Super Bock und Sagres verbreitet. Seit rund 2023 gibt es mit Afreecana in Assomada die erste Craft-Brauerei des Landes, die 'natürlich' ein Lager, aber auch Kreativbier, gebraut mit lokalen Zutaten wie Hibiskus und Zuckerrohr, anbietet.

Trinkgewohnheiten

Der Pro-Kopf-Bierkonsum liegt bei rund 26 Litern pro Jahr. Bier ist das meistkonsumierte alkoholische Getränk, vor Wein und dem traditionellen Zuckerrohrbrand Grogue. Getrunken wird meist aus der 33-cl-Flasche, gesellig geteilt am Tisch.

Morabeza

Prost heißt auf Kreolisch: „Saúdi!" oder »txin-txin!" Saúdi – txin-txin! kann man auch mit dem schönen Wort „Morabeza" kombinieren. Es ist ebenfalls kreolisch und lässt sich nicht direkt übersetzen. Es steht für die warmherzige Gastfreundschaft und Lebensfreude der Kapverdier, für das großzügige Teilen von Essen, Bier und Gesellschaft. Wer in einer Taberna ein Bier bestellt und mit Herzlichkeit empfangen wird, erlebt Morabeza.

Saudi Arabien

In Saudi-Arabien gibt es keinen legalen Weg, an Alkohol zu kommen. Bier, Wein und Schnaps sind seit 1952 verboten; der Verkauf genauso wie der Besitz oder der Ausschank. Was im Supermarkt als „Bier" im Regal steht, ist ein alkoholfreies Malzgetränk. Und zwar wirklich alkoholfrei: Erlaubt ist nur, was 0,0 Prozent hat. 

Ein erster Riss

Im Januar 2024 öffnete in Riad das erste Geschäft des Landes, in dem legal Alkohol angeboten werden darf. Zutritt haben nur nicht-muslimische Diplomaten. Sie benötigen eine App-Freigabe und müssen sich an ein Monatskontingent halten. Offiziell soll das den Schmuggel eindämmen.

Barbican, das Bier ohne Bier

Die bekannteste Marke ist Barbican, die ihren Ursprung in England hat. Die Bass Brewery brachte das alkoholfreie Malzgetränk 1979 auf den britischen Markt. Der saudische Getränkekonzern Aujan holte das Produkt 1983 in die Golfregion, kaufte die Marke später ganz und stellt sie heute selbst her. Barbican ist in Saudi-Arabien so präsent, dass der Name zum Gattungsbegriff für Malzgetränke geworden ist. Auch das Schweizer Malzgetränk Moussy behauptet sich im Markt. Es kam ebenfalls in den 1980er Jahren in die Region. Beide Marken gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen, etwa Pfirsich, Apfel oder Granatapfel.

Und bei der WM?

2034 richtet Saudi-Arabien selbst eine WM aus. Nach Ankündigung der saudischen Seite wird sie komplett alkoholfrei, strenger noch als 2022 in Katar. 

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