Folge 12 - WM 2026

Folge 12 - WM 2026

Die WM 2026 geht zu Ende. Und mit ihre unsere Reise durch die Bierkultur jener Länder, die zum Fußball-Spektakel angetreten sind. Wir blicken nach Kroatien, Ghana und Panama

Folge 1:
Deutschland, Elfenbeinküste, Curaçao, Ecuador
Argentinien, Algerien, Kongo, Österreich
Folge 2:  
Mexiko, Südafrika, Südkorea, Tschechien
Folge 3:
Schweiz, Kanada, Bosnien-Herzegowina, Katar
Folge 4:
Brasilien, Marokko, Schottland, Haiti
Folge 5:
USA, Australien, Paraguay, Türkei
Folge 6:
Niederlande, Japan, Schweden, Tunesien
Folge 7:
Belgien, Ägypten, Iran, Neuseeland
Folge 8:
Spanien, Kap Verde, Uruguay, Neuseeland
Folge 9:
Frankreich, Norwegen, Sénégal, Irak
Folge 10:
Kolumbien und England
Folge 11:
Portugal, Kongo, Usbekistan

Viel Spaß beim Lesen!

Kroatien

Wer im Sommer an der Adria sitzt, denkt an Wein. Kroatien exportiert dieses Bild gern und tatsächlich spielt der Wein insbesondere in Istrien und Dalmatien entlang der Küste eine vorherrschende Rolle. Im Landesinneren hingegen wird Bier bevorzugt. Die Menschen Kroatiens trinken pro Kopf und Jahr rund 79 Liter davon. Zum Vergleich: In Deutschland sind es knapp 90 und in Österreich etwa 100 Liter.

Kroatische Braugeschichte

In Osijek, im Osten des Landes, steht die älteste noch produzierende Brauerei: Osječka pivovara wurde 1664 gegründet. Das wichtigste Produkt ist, wie fast überall auf der Welt, ein helles Lager: Osječko 1664.

1854 gründete Baron Nikola Vranyczany-Dobrinović in Karlovac die Karlovačka pivovara. 1892 folgte die Zagrebačka pivovara in Zagreb. Beide brauten untergäriges Lager nach mitteleuropäischem Vorbild, so wie man es in Wien oder München kannte, und wurden zu wirtschaftlichen Ankern ihrer Städte.

Vom Staatsbetrieb zum Weltkonzern

Zwischen 1945 und 1991 gehörte Kroatien zu Jugoslawien. Die Brauereien wurden verstaatlicht, blieben aber an ihren alten Standorten und belieferten den ganzen jugoslawischen Markt mit hellem Lager. Ožujsko und Karlovačko wurden in dieser Zeit zu nationalen Klassikern.

Nach der Unabhängigkeit gingen internationale Konzerne auf Einkaufstour. Zagrebačka pivovara gehört seit 2013 zu Molson Coors und braut rund 1,7 Millionen hl im Jahr, bedient damit etwa 40 Prozent des kroatischen Marktes. Karlovačka pivovara ging 2003 an Heineken und firmiert seit 2013 als Heineken Hrvatska.

Viele neue Sudkessel

Um 2013 erreichte die Craftbier-Welle Kroatien. Rund 80 kleine Brauereien gibt es heute. Kroatiens junge Szene braut auf internationalem Niveau: Pale Ales, IPAs, Stouts, Sauerbiere. Oft verwenden sie Zutaten, die die Region bietet: mediterrane Kräuter, Honig, Feigen, Zitrusfrüchte und mehr.

Besonders Zagreb entwickelte sich zum Zentrum der Craftbier-Szene. Das Pale Ale von Zmajska pivovara erfuhr schnell internationale Anerkennung. Fast zeitgleich startete, ebenfalls in Zagreb, Nova Runda.

The Garden Brewery entstand aus einer Festivalidee. Der Gründer, ein im Ausland lebender Geschäftsmann, wollte seine Musikfestivals an der Küste mit eigenem Bier versorgen. Heute ist der Biergarten der Brauerei ein beliebterTreffpunkt.

LAB eroberte als erste unabhängige Mikrobrauerei die Stadt Split. In Pisarovina braut Varionica. Die beiden Gründer brauten fünf Jahre lang als Kuckucksbrauer in fremden Kesseln, bevor sie sich im Jahr 2019 eine eigene Anlage gönnen konnten. Mit hervorragend ausbalancierten Pale Ales, IPAs und dunklen Bieren hat sich die Brauerei als eine der renommiertesten Qualitätsbrauereien Kroatiens etabliert und genießt insbesondere in der gehobenen Gastronomie einen ausgezeichneten Ruf.

Was schließen wir aus all dem? Wer nur Kroatiens Wein kennt, hat die Hälfte verpasst. Gut hinschauen, bei der nächsten Reise. Živjeli!

Ghana

In der Mittagshitze von Accra ein tiefschwarzes Starkbier? Ja, gerne. Bitte ein Stout. Und zwar das landestypische, starke, das in Ghana häufiger getrunken wird als jede andere Sorte. Diese Vorliebe geht auf die britische Kolonialzeit zurück. Mit den Briten kamen der Bierstil und die Marke Guinness ins Land. Jahrzehntelange Vermarktungsstrategien verknüpften das dunkle Ale mit dem Bild von Kraft und Status. Ghana steht damit nicht allein: Mit Nigeria, Sierra Leone und Kamerun zählt es seit Jahrzehnten zu den weltweit wichtigsten Märkten für kräftige Foreign Extra Stouts.

Zwei große Player

Seit den 1960er-Jahren betreibt der Diageo-Konzern, zu dem Guinness gehört, eine Braustätte in Kumasi: die Guinness Ghana Breweries. Ihr Foreign Extra Stout wird zu einem guten Teil aus Sorghum und Mais gebraut. Es ist die wichtigste Stout-Marke im Land.

Die älteste Brauerei ist Accra Brewery, 1931 in der Hauptstadt gegründet und heute Teil von AB InBev, dem größten Brauereikonzern der Welt. Das südafrikanische Castle Milk Stout wird hier in Lizenz gebraut.

Neben aller Liebe zum Stout haben auch Lagerbiere ihren Platz in der ghanaischen Bierkultur: Star aus den Guinness Ghana Breweries oder Lager Club aus der Brauerei Accra.

Älter als jedes Lager

Beide Brauereien sind jung gemessen an Ghanas eigener Brautradition. Lange bevor die Europäer ihr Lager ins Land brachten, brauten die Menschen hier Bier aus Hirse und Sorghum. Im Norden ist das bis heute so. Auf den Märkten, bei Hochzeiten und Begräbnissen trinkt man pito und, seltener, burukutu, vergorene Getreidebiere, bernsteinfarben bis dunkelbraun, warm aus der Kalebasse geschöpft, der ausgehöhlten Kürbisschale. 

Eine junge Szene

Daneben wächst, langsam, eine Craft-Szene. 2003 gründete Clement Djameh am Rand von Accra die Inland Microbrewery, die erste Mikrobrauerei des Landes. Er braut glutenfreies Bier aus heimischem Sorghum, ganz ohne Gerste. Und in Accra braut Soul Barrel mit lokalen Zutaten.

Vor dem ersten Schluck gießt man in Ghana ein paar Tropfen auf den Boden, für die Ahnen. Erst danach trinkt man selbst, egal ob pito aus der Kalebasse oder starkes Guinness aus Kumasi.

Panama

Lange bevor die ersten Schiffe jenen Kanal durchquerten, der Atlantik und Pazifik verbindet, mussten die Arbeiter und Ingenieure versorgt werden. Zehntausende schufteten in tropischer Hitze. Sie wollten am Abend ein kühles Bier. 1909 gründeten deshalb fünf Geschäftsleute aus Panama-Stadt die Panama Brewing & Refrigerating Company. Balboa Lager, ihr erstes Bier, ist nach dem spanischen Konquistador Vasco Núñez de Balboa benannt, der 1513 als erster Europäer den Pazifik erreichte.

Bier & Eis

In den Tropen waren Bierbrauen und künstliche Eiserzeugung jahrzehntelang eng verbunden. Eine Kälteanlage kostete ein Vermögen. Um sie auszulasten, kühlten die Brauereien nicht nur ihre Keller und ihr Bier. Sie verkauften auch Eisblöcke an Hotels, Restaurants, Krankenhäuser, Fischmärkte und Privathaushalte.

Zwei Konzerne, vier Marken

Aus der Panama Brewing & Refrigerating Company wurde 1939, nach einer Fusion mit weiteren Brauereien, die Cervecería Nacional. Sie gehört heute AB InBev. Balboa Lager gehört immer noch zum Sortiment und zählt zusammen mit Atlas Premium zu den wichtigsten Bieren Panamas.

Die zweite große Braustätte ist die Cervecería Barú, 1959 in David in der Provinz Chiriquí gegründet. Ihr Lager Panamá und die Marke Soberana gibt es in vielen Bars des Landes. Seit 2002 gehört das Unternehmen zu Heineken und firmiert inzwischen als Heineken Panamá.

Panamas Craft-Beer-Boom

2005 eröffnete in Panama-Stadt Istmo Brew Pub, die erste Gasthausbrauerei des Landes. Fünf Jahre später folgte La Rana Dorada, benannt nach dem Panama-Goldfrosch, der vom Aussterben bedroht ist. Ihre Braustätte steht heute im Altstadtviertel Casco Viejo; für jedes verkaufte Bier gehen fünf Cent an ein Schutzprojekt für das Tier.

2013 kam Casa Bruja dazu, bekannt für ihr Chivoperro IPA, das erste in Flaschen abgefüllte IPA des Landes. 2015 eröffnete die Cervecería Central, 2017 die Cervecería Clandestina, die heute über fünfzehn Sorten braut. 

Panama zählt mittlerweile rund 30 Craft-Brauereien, ihr Anteil am gesamten Bierkonsum liegt trotzdem unter einem Prozent.

¡Salud, y que siga la fiesta!

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