
Weiter geht's mit unserer Serie zur Bierkultur in jenen Länder, die an der Fußball-WM teilnehmen. Heute schauen wir in die Gruppe F.
Folge 1: Gruppe E&J
Folge 2: Gruppe A
Folge 3: Gruppe B
Folge 4: Gruppe C
Folge 5: Gruppe D
Die vier Großen
Vier Konzerne beherrschen den japanischen Biermarkt: Asahi, Kirin, Suntory und Sapporo. Auf sie entfällt fast der gesamte Bierabsatz des Landes.
Asahi ist die Nummer eins mit rund 37 Prozent Marktanteil. Sein Zugpferd ist das Super Dry. Kirin liegt mit seinem Lager Ichiban Shibori knapp dahinter (34 Prozent). Suntory ist eigentlich ein Whisky-Haus (Yamazaki) und braut erst seit 1963 Bier; sein wichtigstes ist The Premium Malt's (16 Prozent). Sapporo (11 Prozent) punktet mit zwei Sorten: Sapporo und Yebisu, das ist die Premiumsorte der Brauerei. Sapporos erster Braumeister war Nakagawa Seibei, der sein Handwerk bei der Tivoli-Brauerei in Fürstenwalde an der Spree gelernt hatte. Die deutschen Einflüsse sind bis heute im Produkt spürbar.
Alle vier brauen mit Reis. Traditionell beträgt dessen Anteil in der Schüttung ein Drittel, manchmal auch mehr. Das ist historisch bedingt, Reis war schon immer wichtiger als Gerste. Und Reis macht das Bier heller, trockener, klarer.
Asahi Super Dry, eingeführt 1987, war Japans erstes „Dry"-Bier. Karakuchi, japanisch für trocken, knapp, ohne Nachklang, steht für eine Art Trinkphilosophie. Mit dem Super Dry verdrängte Asahi den langjährigen Marktführer Kirin und zog 2001 an ihm vorbei.
Katz und Maus mit dem Finanzamt
Japan besteuert Bier nach dem Malzgehalt: je mehr Malz, desto höher die Steuer. Deshalb entwickelten die Konzerne malzarme Alternativen. Es begann mit Happoshu (発泡酒, „Schaumalkohol"). Wenig Malz, wenig Steuern. Es folgte Daisan Biru (第三ビール, „Das dritte Bier"). Malzfrei, mit Erbsenprotein und einem Schuss Schnaps. Jedes Mal reagierte das Finanzamt mit einer Steuererhöhung. Ab Oktober 2026 gilt für Bier, Happoshu und Daisan Biru ein einheitlicher Steuersatz.
Die Kleinen und Unabhängigen
Bis 1994 brauchte man in Japan für eine Brauereilizenz eine Jahresproduktion von mindestens 20.000 hl, neue Brauereien konnten nur schwer entstehen. Eine Deregulierung senkte die Grenze auf 600 hl. Ji-Bīru, lokale Kleinstbrauereien, entstanden in der Folge. Die erste war Echigo Beer in Niigata, gegründet im Dezember 1994.
Die größte unabhängige Craft-Brauerei Japans ist Yo-Ho Brewing aus Karuizawa, Nagano, gegründet 1996, bekannt für das Yona Yona Ale. Mit Soratoshiba betreibt Yo-Ho eine zweite Produktionsstätte direkt im Escon Field Hokkaido, dem Baseballstadion in Hokkaido. Dort entstehen ausschließlich stadionexklusive Biere: Soratoshiba Play Ball! Ale, Big-Fly Saison, saisonale Sondereditionen.
COEDO Brewery aus Kawagoe, Saitama, begann 1996 als Landwirtschaftsbetrieb und braute aus überschüssigen Süßkartoffeln, mit deutschen Braumeistern. Ihr Beniaka, ein Amber Lager aus Süßkartoffeln, und das Schwarzbier Shikkoku wurden mehrfach beim European Beer Star ausgezeichnet. 30 Prozent der Produktion von COEDO gehen in den Export, in über ein Dutzend Länder. Bemerkenswert für eine japanische Craft-Brauerei.
Kanpai
Japan ist seit 1998 bei jeder WM dabei. Angestoßen wird mit allem, vom Super Dry bis zum Yona Yona. Kanpai. Oder Post. Oder Cheers.
Die grüne Flasche aus Amsterdam
Kaum eine Flasche erkennt man so schnell: grün, roter Stern, weißes Logo. Heineken ist der zweitgrößte Braukonzern der Welt, nur AB InBev ist größer. 2025 brachte das Unternehmen 235,65 Millionen hl in den Markt, in über 70 Ländern, mit mehr als 300 Marken.
Vom Heuhaufen zur Weltmarke
Angefangen hat alles 1864, als der 22-jährige Gerard Adriaan Heineken in Amsterdam die Brauerei De Hooiberg kaufte, zu Deutsch „Der Heuhaufen", gegründet 1592. Heineken stellte auf untergärige Brauart nach bayerischem Vorbild um. Aus der kleinen Amsterdamer Brauerei wurde der Weltkonzern, die Familie Heineken hält die Kontrolle bis heute, in vierter Generation über Charlene de Carvalho-Heineken.
Im eigenen Land hält der Riese rund die Hälfte des Marktes. Neben Heineken und Amstel, das dem Konzern seit 1968 gehört, gibt es zwei weitere große Namen. Grolsch, 1615 gegründet, gehört heute zum japanischen Asahi-Konzern. Bavaria gehört zu Royal Swinkels Family Brewers, einer Brauereigruppe mit Brauereien in den Niederlanden, Belgien (darunter Rodenbach), Äthiopien und Kuba.
Die Niederlande sind der größte Bierexporteur der Welt. Etwa die Hälfte der Produktion geht ins Ausland.
Craft und ein Bier von 1501
Ein guter Startpunkt für die Erkundung der niederländischen Craftbier-Szene ist Jopen aus Haarlem. Jahrelang braute Jopen heimatlos, als Wanderbrauer bei De Halve Maan in Hulst, La Trappe und Ertvelde. 2010 entstand die eigene Brauerei, mit Taproom und – in einer Kirche. Die Jopenkerk ist einen Besuch wert, die Biere frisch gezapft sowieso. 2013 wurde die Location zur schönsten Bar der Niederlande gewählt. Jopen begann mit historischen Bieren: dem Koyt, einem Gruitbier nach einem Rezept von 1407, und dem Hoppenbier von 1501. Heute gehört die Brauerei zu den großen IPA-Spezialisten des Landes, bekannt auch über die Landesgrenzen hinaus.
Ein wichtiger Pionier der Szene ist 't IJ, das seit 1985 in Amsterdam braut. Oedipus, ebenfalls aus Amsterdam, verkaufte 2019 einen Anteil an Heineken. 2023 übernahm der Konzern ganz.
La Trappe und die Trappisten
Ganz anders die Brouwerij de Koningshoeven, die Trappistenbrauerei der Abtei Onze Lieve Vrouw van Koningshoeven bei Tilburg. Seit 1884 wird im Kloster gebraut. Unter der Marke La Trappe entstehen mehrere prämierte Trappistenbiere: Blond, Dubbel, Tripel und Quadrupel. Den Verkauf betreibt die Swinkels-Gruppe, die Mauern und die Anlage gehören dem Kloster. Und seit 2013 braut mit Zundert ein zweites niederländisches Kloster Trappistenbiere.
Proost
Die Fans von Oranje werden feiern. Und sie haben die Wahl zwischen einem kühlen Lager, einem hopfigen IPA und einem schweren Trappistenbier. Proost.
Der Staat verkauft Starköl
Öl ist das schwedische Wort für „Bier". Wer das weiß, begreift vielleicht auf den ersten Blick: lättöl, folköl, starköl: gemeint sind Leichtbier, Volksbier, Starkbier. Allerdings nicht im deutschen Sinne.
Das schwedische starköl fängt schon bei 3,5 % an. In Deutschland meint Starkbier etwas anderes. Der Gesetzgeber rechnet in Stammwürze: erst ab 16 Grad Plato ist ein Bier ein Starkbier, also z. Bsp. Bock oder Doppelbock, selten unter 6,5 % vol. Ein schwedisches starköl mit 4 % wäre bei uns ein gewöhnliches Vollbier.
starköl aus dem Systembolaget
Die drei Klassen regeln, wer was wo kaufen darf. lättöl hat maximal 2,25 % Alkohol und gibt es überall und für jeden, ohne Altersgrenze. folköl liegt zwischen 2,25 und 3,5 % Alkohol, es steht im Supermarkt zum Verkauf an über 18-jährige. starköl gibt es an einem einzigen Ort: im Systembolaget, der staatlichen Verkaufsstelle für Alkohol. Geöffnet ist werktags, am Samstag ist früher Schluss und sonntags bleibt zu. Wer am Wochenende Gäste hat, sorgt besser vor.
Die Großen
Zwei Brauereien teilen sich den Markt. Carlsberg Sverige entstand 2001, als der dänische Konzern die schwedischen Häuser Pripps und Falcon zusammenlegte. Die hellen Lagerbiere Pripps Blå und Falcon dominieren, dazu das internationale Carlsberg.
Größer ist Spendrups Bryggeri. Das unabhängige Unternehmen braut seit 1897 in Grängesberg. Es gehört der Familie Spendrup, inzwischen ist die vierte Generation am Werk. Die wichtigsten Biermarken sind Norrlands Guld und Mariestads, beides helles Lager.
Craft und wieder eine Kirche
Um die Jahrtausendwende gab es in Schweden eine Handvoll kleiner Brauereien. Heute hat das Land eine erstaunlich dichte Craft-Szene, und einige schwedische Namen haben international Kultstatus. Das Systembolaget hilft dabei: Es führt ein breites Sortiment, vom lokalen Sud bis zum gesuchten Import.
Den Anfang machte 1996 die Nils Oscar Brewery in Stockholm, eine der ersten schwedischen Craft-Brauereien, die es in die staatlichen Verkaufsstellen schaffte.
Am bekanntesten ist Omnipollo. Henok Fentie und der Designer Karl Grandin gründeten die Marke 2011, gebraut wurde bei Partnern in ganz Europa. Berühmtheit erlangte Omnipollo für seine Imperial Stouts, die nach Pekannuss-Torte und Marshmallow schmecken, Und für Etiketten, die auch in Galerien stehen könnten. Nach fast zehn Jahren als Wanderbrauer baute Omnipollo 2019 eine eigene Brauerei, in einer Kirche in Sundbyberg bei Stockholm. Heute ist das Gebäude Brauerei und Taproom in einem, die alten Orgelpfeifen hängen noch.
Wer es nüchterner mag, fährt nach Göteborg. Stigbergets braut seit 2012 und gilt als eine der gefragtesten Adressen Skandinaviens für saftige NEIPA und West Coast IPA.
Skål
Schweden ist dabei. Wer mitfeiert, hat die Wahl: ein folköl aus dem Supermarkt, schnell und legal ab 18, oder der Gang ins Systembolaget für das richtige starköl. Die Schweden wissen, wohin sie gehen. Skål.
Celtia, das Bier der Nation
Tunesiens bekanntestes Bier kommt aus einem Unternehmen, das mit Eis anfing. 1889 entstand in Tunis die Société Frigorifique de Tunis, eine Eisfabrik. Bevor es Kühlschränke gab, hielt Eis alles kühl, was kühl bleiben musste, beim Metzger, im Lagerkeller, hinter dem Tresen. 1925 baute das Unternehmen eine Brauerei dazu und nannte sich Société Frigorifique et Brasserie de Tunis, kurz SFBT. 1927 floss das erste Bier, ein helles Lager namens Stella, nicht zu verwechseln mit Stella Artois aus Belgien. 1951 kam Celtia, benannt nach der Frau des damaligen Direktors. Celtia wurde das wichtigste Bier des Landes.
Celtia, ein helles Lager nach Pilsner Art, hält rund 85 % des tunesischen Biermarkts. Bis 2007 hatte die SFBT das Monopol. Dann baute Heineken ein eigenes Werk im Land. Celtia blieb die Nummer eins, Ausstoß und Marktmacht sanken .
Tunesisch ist die SFBT heute nur noch dem Namen nach. Nach der Privatisierung 1979 stieg der französische Castel-Konzern ein, ihm gehört inzwischen die Mehrheit, rund 57 %.
Geduldet, aber unter Druck
Obwohl Tunesien muslimisch ist, wird Alkohol geduldet. Bier gibt es in Bars, Restaurants und manchen Supermärkten. Das Trinkalter liegt bei 21 Jahren. Die Tunesier trinken gerne , der pro Kopf-Verbrauch ist höher als in den maghrebinischen Nachbarländern.
Nach der Revolution von 2011, jener, die den Arabischen Frühling auslöste, schlugen militante Salafisten Bars zusammen, vor allem im Landesinneren. Der Bierkonsum blieb trotzdem auf gleichem Niveau. Druck kommt heute vor allem vom Staat: 2022 verzehnfachte er die Jahresgebühr für eine Alkohol-Verkaufslizenz, sie stieg von 750 auf 7.500 Dinar.
Lagmi und Boukha
Mit den Franzosen kam das Bier ins Land. Bei aller Bedeutung konnte es zwei traditionelle tunesische Getränke nicht ersetzen. Lagmi, der Saft der Dattelpalme, ist frisch gewonnen honigsüß, nach kurzer Zeit gärt er und wird zu sanft moussierendem Palmwein. Boukha ist ein Destillat, das aus Feigen hergestellt wird.
Bsahtek
Tunesien ist seit Jahren bei der WM dabei. Das erste Spiel gegen Schweden haben sie mit 1:5 Toren verloren. Immerhin: Einmal konnte gejubelt werden. Bsahtek.